Das klassische Ende im Independent-Kino ist bedroht. Schuld sind Coen, Jarmusch und Co., die dem Casual-Kinobesucher das Signal zum verfrühten Anziehen durch eindeutig zu erkennende finale Minuten ihrer Filme nehmen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen uns bereits fünf Minuten vor Schluss die Meinung unseres Sitznachbarn zum Film nahe getragen wurde. “A Serious Man” ist auch so ein Film, der plötzlich und ein bisschen unerwartet zu Ende ist. Gute Filme, und “A Serious Man” ist ein sehr guter Film, machen das aber nicht ohne Grund.
Und so geschieht es, dass uns einige Minuten nach dem Film klar wird: Viel schlimmer kanns ja auch gar nicht mehr kommen. Da können die Coens auch einfach das Licht aus machen und wir dürfen uns das Ausmaß der Handlung in unserem Kopf ausmalen. Da wo eh immer alles schlimmer aussieht, als jeder Filmemacher es darstellen kann. Auch nicht die Coen-Brüder, deren aktuelles Werk nun als Blu-Ray und DVD in den Staaten erhältlich ist, während es hierzulande gerade erst in den Kinos läuft. Und das, obwohl wir Deutschen doch immer als Coen-Versteher angesehen wurden. Das haben wir jetzt davon, dass “No Country For Old Men” von der Akademie geehrt wurde. Heute Nacht steht auch “The Serious Man” auf der Liste der Nominierten für die Oscar “Bester Film” und “Bestes Screenplay”. Freilich eher chancenlos gegen blaue Ureinwohner, durchtriebene Nazijäger und einem in unseren Zeiten so wichtigen Antikriegsfilm. Aber egal, auf den DVD und Blu-Ray Verpackungstexten dieser Welt gilt ja auch schon die Nominierung als Auszeichnung.
Bei “A Serious Man” machen die Coen das, was sie am besten können: sie stellen eine vergangene Epoche mit all ihren liebenswerten und weniger liebenswerten Eigenschaften dar. In diesem Falle sind es die Sechziger und wir ergötzen uns an erdrückend sauberen Vorzeige-Wohnvierteln bestehend aus dem Standardsatz Häusern, saftig grünem Rasen und orangen Mustertapeten. Im Mittelpunkt steht der jüdische Lehrer Larry Gopnik, dessen Leben alles andere als rund läuft. Seine Ehe ist am Ende und sein Freund der Liebhaber seiner Frau, um mal mit dem Schlimmsten anzufangen. Der Rest seiner zwei Dutzend Probleme dreht sich vor allem um seine beiden Kinder, seine Schüler und Fremden gegenüber eher intoleranten Nachbarn, in dessen Ansehen Juden an zweitletzter Stelle, immerhin vor den Koreanern stehen.
So ein bisschen wirkt “A Serious Man” wie ein Eskalationsfilm, der die Situation seines Protagonisten zwar sanft, aber stetig immer schlimmer werden lässt. Eingebettet ist das ganze in das leicht überzogen dargestellte Leben einer jüdischen Gemeinschaft im mittleren Westen der USA. Und da kann bei den Coens das Oberhaupt der Gemeinde im Ruhestand schon mal als scheintoter Zauberer daherkommen, dessen ausgedienter Arbeitsplatz aussieht wie Dumbledores Büro im magischen Hogwarts. Stichwort Magie: die wirkt auch wieder beim Schauspiel der Darsteller, die durch die Bank Großartiges leisten und Charaktere vorspielen, die nur schwer besser darzustellen sind. Immer mit einem Augenzwinkern, denn der Zuschauer soll ruhig noch ab und zu mal lachen können. Klar, schwarz ist der Humor zuweilen, aber seid euch sicher: es kommt alles noch dicker und dann hat es sich ausgelacht. Vor allem später, wenn uns, wie eingangs bemerkt, die Gebrüder Coen alleine mit unseren Gedanken im Dunkel des Kinosaals oder vor dem Fernseher sitzen lassen und wir das Ende des Films in unserem Kopf durchspielen. Au weia.











